#TBT - Diese Tauben machten schon vor 100 Jahren Drohnen-Aufnahmen
Was passiert, wenn man eine Kamera mit einer Taube kombiniert? Man bekommt die mehr oder weniger erste Drohne. Richtig gelesen: Der Vorfahre der GoPro und von Drohnen ist nichts anderes als eine fotografierende Taube, die 1903 aus der Fantasie des deutschen Apothekers Julius Neubronner entstanden ist!
Die Idee, die Erde vom Himmel aus zu fotografieren, ist heute mit Geräten wie Drohnen einfach. Auch zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es diese Idee bereits, aber die Mittel fehlten. Die damalige Lösung: Man klemmte eine Kamera an einen Flugdrachen oder Heißluftballon. Aber die Geschwindigkeit war gering und die Bewegungsfreiheit sehr begrenzt.
Die Idee mit der Kamera-Taube wird geboren
Dr. Neubronner, ein deutscher Apotheker, Taubenzüchter und Hobbyfotograf aus der Nähe von Frankfurt, benutzte in den 1900er Jahren Tauben, um Notfallmedikamente in ein wenige Kilometer entferntes Sanatorium zu schicken. Eines Tages kehrt eine Taube in das Taubenhaus des Arztes zurück, nachdem sie fast 4 Wochen lang verloren gegangen ist. Da kam dem genialen Apotheker die Idee, den Diebstahl seiner Post zu filmen!
So nahm Neubronner seine Tauben und lies sie Hunderte von Kilometern von seinem Haus entfernt frei, um einen Blick auf den Weg seiner Tiere zu werfen, die sanft zum Taubenschlag zurückkehrten. Anschließend baute Neubronner eine mobile Variante des Taubenschlages, an die er eine Dunkelkammer hing und machte sich auf den Weg in andere Regionen.
Aber zurück zu unseren Tauben, die deshalb mit einem Ledergeschirr und einer Aluminiumpanzerung bestückt waren, wie es heute ein Kameramann mit Steadicam tragen würde. Das Kabel war sicher untergebracht, die Kamera fest justiert und die Taube spürte das Gewicht des Geräts nichts so sehr.
Und wie funktionierte das mit der Kamera?
Damit die Taube sie tragen konnte, musste die Kamera natürlich klein und handlich, vor allem aber leicht, sein, damit die Tiere sie auch tragen können und nicht die Bewegungsfähigkeit behindert wird.
Was die Technik betrifft, so musste die Kamera während des gesamten Fluges der Tauben automatisch fotografieren. Deswegen baute Neubronner mehrere Kameras, die mit einem pneumatischen Synchronisationsmechanismus ausgestattet waren, damit sie in vordefinierten Abständen automatisch auslösen.
Dank ihrer großen Widerstandsfähigkeit nahmen die kleinen Kameras nicht so leicht Schaden, was den ein oder anderen bereits an etwas erinnern dürfte: Ich habe nämlich den Eindruck, dass Neubronners Geräte die Inspiration für die Kamera war, die jetzt zu Luft und zu Wasser Videos und Fotos aufnehmen: GoPros.
- GoPro mit dem Android-Smartphone steuern
Die von den Tauben zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgenommenen Fotos waren denen den mit einer GoPro aufgenommenen Bildern sehr ähnlich. Das liegt vor allem an dem technisch bedingten Rahmen, aber auch an den Flügeln der fliegenden Tauben, die das Foto zusätzlich einrahmen und so einen Fischaugen-Effekt erzeugen, wie er bei den Bildern der heutigen GoPro-Kameras zu finden ist.
Die Taubenkamera auf dem Weg zum Ruhm
1907 stellte Julius Neubronner dem deutschen Patentamt seine "Taubenkamera" vor. Letzteres lehnt die Idee ab, aus Angst, dass die Tauben die 75 Gramm der Kamera im Flug nicht tragen werden. Aber Neubronner bewies dem Institut das Gegenteil und zeigte, dass seine Idee funktioniert, indem er die bereits mit der Kamera aufgenommenen Bilder präsentierte.
Mit dem daraufhin doch erteilten Patent begann der Ruhm für den deutschen Erfinder, der dann zwischen 1909 und 1911 internationale Erfolge feierte, außerhalb Deutschlands seine Bilder ausstellte und es bis nach Paris schaffte. In Dresden konnten die Zuschauer die Ankunft der Tauben beobachten und sogar direkt ein Foto kaufen, das vor Ort entwickelt wurde und gleich mitgenommen werden konnte.
Die Ergebnisse waren so erstaunlich, dass die deutsche Armee beschloss, sie während des Ersten Weltkriegs an der Front einzusetzen. Aber nachdem für solche Fotos später Flugzeuge eingesetzt wurden, hatten die Tauben ausgedient.
Wir finden die gemachten Bilder schon ganz schön faszinierend, und Ihr? Kanntet Ihr die Geschichte vom den Taubenkameras schon?
Quelle: The Public Domain Review
Sehr interessant! Ich finde ja alte Aufnahmen oder auch Karten höchst faszinierend, vor allem wenn man diese dann mit den aktuellen vergleicht. Toller Artikel!
Für alle Berliner, die sowas auch gerne machen, kann ich übrigens den Film "Menschen am Sonntag" empfehlen, ein Stummfilm von 1930, der vier junge Leute bei ihren Ausflügen am Sonntag zeigt. Ist sehenswert und zugleich sicher interessant, wenn man die Ecken in Berlin mit heute vergleicht.
Kannte ich. Herr Neubronner lebte nämlich, wie ich immer noch, in Kronberg im Taunus.
Schöner Artikel, vielen Dank dafür.
Ein Freund der Nachfahren.
Kannte ich nicht. Aber sehr interessant.
Aber da ist mir jetzt eine GoPro schon lieber 😂😂
Ich bin da bei dir. Die muss man immerhin nicht füttern - außer mit Strom.
Was ja auch irgendwie wieder füttern ist ;-)
Vor allem aber hinterlässt die moderne Version weniger Dreck, wenn sie "gefüttert" wurde. 😉
Die Drohnen dürfen nicht so einfach abgeschossen werden 😁👍.... Vorteil.