Galaxy S20 FE: Exynos vs. Snapdragon – wo gibt's mehr fürs Geld?
Exynos versus Snapdragon – seit Jahren leben Verbraucher in Europa und Lateinamerika jedes Jahr in dem Dilemma, welches SoC sie in Samsung-Handys, insbesondere in den Galaxy S- und Note-Reihen, bekommen. Bewaffnet mit den verschiedenen Versionen des Galaxy S20 FE mit den Chips Exynos 990 und Snapdragon 865 haben wir die beiden Premium-Prozessoren auf den Prüfstand gestellt.
Smartphone-SoCs: Das müsst Ihr über Snapdragon, Exynos und Co. wissen
Bei diesem Artikel handelt es sich nicht um einen traditionellen Vergleich, wie Ihr ihn normalerweise hier auf NextPit findet. Beide Modelle sind in Bezug auf Spezifikationen und Komponenten nahezu identisch, mit Ausnahme des verwendeten SoCs.
Exynos und Snapdragon auf Augenhöhe
Das Galaxy S20 FE kam Ende 2020 in zwei Versionen auf den Markt – eine 4G-Version mit dem "Samsung Exynos 990"-Prozessor und eine 5G-Version mit dem Qualcomm Snapdragon 865. Und das unabhängig von der Region. Schließlich hat Samsung Electronics seine Snapdragon-Smartphones traditionell für den chinesischen und nordamerikanischen Markt reserviert.
Vor kurzem wich die Version mit dem Exynos 990 in Europa und Brasilien einer neuen Revision, die mit dem Snapdragon 865 ausgestattet ist. Das neue Modell, immer noch 4G, kann mit dem Produktcode SM-G780G identifiziert werden – im Gegensatz zu den Bezeichnungen SM-G780F und SM-G781B der ursprünglichen 4G- bzw. 5G-Versionen.
Wir waren nicht in der Lage, das neue Modell mit dem alten zu vergleichen, aber wir haben trotzdem die 4G- und 5G-Versionen gegeneinander antreten lassen. Es ist erwähnenswert, dass das 5G-Modell zusätzlich zum Prozessor ein Snapdragon X55-Modem besitzt – das gleiche, das in der iPhone-12-Reihe verwendet wird. Aber alle Tests wurden ohne SIM-Karte durchgeführt, um die Auswirkungen der Komponente so gering zu möglich zu halten.
Fehler behoben und Leistungsverbesserung
Zur Veranschaulichung haben wir, bevor wir die Benchmarks mit der aktuellsten Version der Firmware durchgeführt haben, die Tests mit der von Samsung ab Werk gelieferten Version durchgeführt. Damit wollten wir versuchen, Unterschiede im Verhalten der beiden Galaxy S20 FE zu identifizieren.
Beim 5G-Modell mit Snapdragon gab es selbst beim Übergang zwischen OneUI 2.5 mit dem Oktober-2020-Patch und dem aktualisierten "OneUI 3.1"-System keine signifikanten Unterschiede in den Ergebnissen. Auf der anderen Seite zeigte das Exynos-Modell (ausgeliefert mit der 12/2020-Firmware mit OneUI 3.0) eine signifikante Leistungsverbesserung, sowie eine wichtige Fehlerbehebung.
Im ersten Durchlauf des 3DMark Wild Life Benchmarks verzeichnete das Gerät durchweg einen niedrigeren Score – etwa 2.190 Punkte – gefolgt von nachfolgenden Scores im Bereich von 4.200 Punkten. Im Falle des Stresstests lag der Ausgangswert zwischen 2.115 und 2.136 Punkten und dann zwischen 1.750 und 4.200 Punkten.
Nach dem Update der Geräte auf die neueste Firmware vom Juni 2021 und dem Zurücksetzen der Werkseinstellungen verhielt sich das 4G-Modell konsistenter und verbesserte die Leistung in einigen Benchmarks.
Leistung: Exynos 990 vs. Snapdragon 865
Benchmark | Snapdragon 865 | Exynos 990 |
---|---|---|
3DMark Wild Life | 3.927 | 4.170 (3.599) |
3DMark Wild Life Stresstest | 3.513 ~ 3.932 | 1.779 ~ 4.160 (2.115~2.136) |
Geekbench Single-Core | 901 | 887 (785) |
Geekbench Multi-Core | 3.222 | 2.594 (2.399) |
PassMark RAM | 25.907 | 24.024 (22.788) |
PassMark-Speicher | 60.208 | 58.174 (59.310) |
GFXBench Aztec (Normal, Offscreen) | 3.797 | 3.184 |
() = Ergebnis mit Original-Firmware |
In Bezug auf die Temperatur erwärmten sich beide Modelle nicht übermäßig viel, aber die Exynos-Version war deutlich anfälliger für Thermal Throttling und reduzierte die Leistung bei längeren Benchmarks, um einer Überhitzung vorzubeugen.
In der Praxis kann sich dies in einer Schwankung der Spielleistung bemerkbar machen und die Bildwiederholrate bei längeren Spielsitzungen verringern. Der "Wild Life Stress Test"-Benchmark verdeutlicht das gut (Test ohne SIM-Karte, mit aktiviertem Flugzeugmodus durchgeführt):
Das 5G-Modell hingegen erzielte mit einer Stabilitätsrate von 89,3 % – im Vergleich zu 42,8 % bei der Exynos-Version – deutlich konstantere Ergebnisse.
Thermal Throttling in der Praxis
Um das thermal Throttling zu beweisen, haben wir einen unrealistischen (es sei denn, Ihr lebt am Polarkreis) Versuch durchgeführt und das Galaxy S20 FE 4G dem gleichen Test in einem Kühlschrank unterzogen. Bitte nicht zuhause nachmachen!!
Das Ergebnis war nicht nur ein stabileres Ergebnis – es lag zwischen 4.336 und 4.384 Punkten, was einer Stabilität von 98,9 Prozent entspricht – sondern es war auch besser als bei Raumtemperatur, die während des regulären Tests zwischen 20 und 24 Grad lag.
Natürlich hat der Test keine Relevanz für den täglichen Gebrauch, aber er zeigt, dass der Exynos 990 zwar eine dem Snapdragon 865 gleichwertige Leistung anstrebt, diese aber mittelfristig nicht halten kann. Diese Beobachtung trifft vielleicht nicht auf die traditionelle mobile Nutzung mit kurzen Perioden starker Beanspruchung zu. Aber es ist etwas, das man bei Spielesessions, HD-Videoaufnahmen und -bearbeitung und anderen schwereren Aufgaben im Hinterkopf behalten sollte.
Welcher Prozessor verbraucht mehr Akku
Neben dem Leistungsunterschied wird bei den Exynos-Prozessoren häufig auch der höhere Stromverbrauch und die damit verbundene kürzere Akkulaufzeit angeführt. Um die Prozessoren zu testen, nutzten wir den Verbrauchstest der PCMark-App, die gängige Aufgaben im mobilen Einsatz bis zu einer Auslastung von 20 % simuliert.
Hier zeigte das Galaxy S20 FE mit Snapdragon 865 selbst mit einem neben dem SoC installierten Modem (das während des Tests deaktiviert blieb) mehr Durchhaltevermögen. Der Akku hielt nämlich 12 Stunden und 12 Minuten im Test beim Modell mit Exynos 990 waren es lediglich 9 Stunden und 32 Minuten.
PCMark Work 3.0
Ergebnisse | Exynos 990 | Snapdragon 865 |
---|---|---|
Lebensdauer des Akkus | 9h32min | 12h12min |
Gesamtleistung | 12.753 | 12.863 |
Surfen im Internet | 10.857 | 10.914 |
Video-Bearbeitung | 6.896 | 7.137 |
Textausgabe | 12.531 | 14.035 |
Bildbearbeitung | 33.799 | 29.309 |
Datenverarbeitung | 10.636 | 10.991 |
In den Verarbeitungstests des PCMark zeigten die beiden SoCs insgesamt ähnliche Ergebnisse, was den Eindruck einer gleichwertigen Leistung für alltägliche Aufgaben verstärkt, allerdings in diesem Fall auf Kosten des Akkuverbrauchs.
Fazit: Exynos oder Snapdragon?
Dieser Vergleich konzentrierte sich auf die Leistungsunterschiede zwischen den mit den "Exynos 990"- und "Snapdragon 865"-SoCs ausgestatteten Versionen des Galaxy S20 FE. Idealerweise würden wir das neue 4G-Modell mit dem Snap865 (SM-G780G) verwenden, aber das war für diesen Artikel nicht möglich.
Abgesehen von Prozessor und Modem sind die Geräte im Wesentlichen identisch, auch in den wichtigsten täglichen Aufgaben. In einigen Situationen war die Ladezeit der Tests auf dem Modell mit Exynos jedoch etwas länger, was den Unterschied im Speichertest-Score der PassMark-App widerspiegelt.
Was beim Testen der Geräte nebeneinander auffällt, ist einerseits der höhere Stromverbrauch des Galaxy S20 FE mit dem Exynos 990-Prozessor. Außerdem eine größere Variabilität der Ergebnisse bei längeren und anspruchsvolleren Tests, bei denen die Temperaturregelung die Geschwindigkeit der CPU-Kerne reduziert, um eine Überhitzung zu verhindern. Ein Trend bei den 2021er-Flaggschiff-Prozessoren Exynos 2100 und Snapdragon 888, die beide von Samsung Foundry hergestellt werden.
Wenn Ihr den Kauf des Galaxy S20 FE 4G in Erwägung zieht, lohnt es sich, die Modellbezeichnung im Auge zu behalten und das mit Snapdragon 865 ausgestattete Modell SM-G780G zu bevorzugen, vor allem wegen der längeren Akkulaufzeit.
Obwohl es keine Anzeichen dafür gibt, dass die Strategie der unterschiedlichen Prozessoren für verschiedene Regionen der Welt geändert wird, ist zumindest der Leistungsunterschied zwischen den SoCs des Jahres 2021 viel weniger spürbar, wie die diesjährigen Testberichte zeigen.
Apropos Testbericht: Wenn Ihr den vollständigen Test des Samsung Galaxy S20 FE 5G lesen wollt und zudem wissen möchtet, wie der Snapdragon 865 im Kühlschranktest abschneidet, behaltet NextPit weiter im Auge – und lasst uns gerne einen Kommentar da.
Samsung Galaxy S20 FE 4G vs. Galaxy S20 FE 5G
Samsung Galaxy S20 FE 4G SM-G780F |
Samsung Galaxy S20 FE 5G SM-G781B |
|
---|---|---|
Prozessor | Samsung Exynos 990
|
Qualcomm Snapdragon 865
|
Speicher | 8 / 128 GB (bei getesteten Modellen) | |
Betriebssystem | Android 11, mit OneUI 3.1 (RP1A.200720.012.G780FXXU4CUF1) |
Android 11, mit OneUI 3.1 (RP1A.200720.012.G781BXXU3CUE3) |
Sicherheits-Patch | 1. Juni 2021 |
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Für mich wäre das egal. Wird zu sehr dramatisiert
"Aber alle Tests wurden ohne SIM-Karte durchgeführt, um die Auswirkungen der Komponente so gering zu möglich zu halten."
Das macht das ganze aber ziemlich realitätsfern und sinnlos. Wer benutzt denn schließlich sein Smartphone ohne SIM-Karte?
Realitätsfern, ja vielleicht, sinnlos nein.
Das war ja die eigentliche Absicht:
"Wir waren nicht in der Lage, das neue Modell mit dem alten zu vergleichen, aber wir haben trotzdem die 4G- und 5G-Versionen gegeneinander antreten lassen. Es ist erwähnenswert, dass das 5G-Modell zusätzlich zum Prozessor ein Snapdragon X55-Modem besitzt"
Man wollte ursprünglich die beiden 4G Versionen vergleichen war dazu aber "nicht in der Lage", vermutlich weil das 4G-Modell mit Snapdragon nicht zu bekommen war. Um nun den Einfluss der unterschiedlichen Modems aus den Ergebnissen heraus zuhalten, hat man halt die Simkarte weggelassen, in der Annahme dass die zusätzliche unterschiedliche Prozessorlast durch die Modems dadurch wegfällt, oder zumindest minimiert ist. Das ist sinnvoll, weil man sonst zwei Ausstattungsunterschiede hat, nämlich Prozessor und Modem, und nicht weiss, welches von beiden für die erwarteten Unterschiede verantwortlich ist, oder, falls es die (fast) nicht gibt, ob nicht das eine Modem Leistungsvorteile des Snap, die vorhanden wären, in der Messung wieder zunichte macht.
Noch sinnvoller, aber eben auch doppelt aufwändig, wäre freilich gewesen, die gesamte Messreihe zusätzlich mit Simkarte durchzuführen. Dann wüsste man auch, ob die unterschiedlichen Modems wesentlichen Einfluss auf die Unterschiede, aber auch, ob die Modems merklichen Einfluss auf die Benchmarks haben, bei ein und dem selben Gerät. Ich nehme an, der Einfluss der Modems wäre in beiden Fällen gering, dann wäre der Vergleich auch so nicht realitätsfern, wissen täte man es freilich erst nach einer solchen Messung.